
Mein aktueller Ausgangspunkt
Ich suche in meiner Kunst nach einer Verbindung des Schönen und einem gesellschaftskritischen, politischen Zeugnis. Das ist für mich die Frage einer engagierten Kunst.
Das Projekt „Der Engel der Geschichte und Margot Friedländer“* – ist beispielhaft für diese Idee.
Margot Friedländer, Holocaust Überlebende, war mit 103 Jahren im August 2024 auf dem Titel der Vogue abgebildet: das Foto zeigte sie in ihrer strahlenden Schönheit.
Mein Impuls: Frau Friedländer so im roten Mantel in Öl auf Leinwand malen.
Ich erkannte: Das Bild könnte den Kommentar auslösen: „Ach schön… und es ist ja eine so tolle Frau“.
Mein Gedanke war schließlich, dies zu brechen und das Portrait von Margot Friedländer zu kontextualisieren:
Ich konzipierte die Trilogie „Wehret den Anfängen“ und stellte dem Portrait den Eingang des KZs Theresienstadt als Einsicht voraus. Und dem folgend Die Weisse Rose.
Margot Friedländer (*5.11.1921; sie starb am 9. Mai 2025) hat die Shoah überlebt.
Einer, der den Nationalsozialismus nicht überlebte, war der Philosoph und Publizist
Walter Benjamin (1892-1940). Er suizidierte sich nach misslungener Flucht an der spanischen Grenze.
Benjamin wurde schließlich in meiner weiteren Konzeption zum Ausgangspunkt der Trilogie
„Wehret den Anfängen II“:
Das Portrait von Benjamin ist vorangestellt, gewendet. Ihm folgt eine große Kopie des „Angelus Novus“ von Paul Klee, der für Walter Benjamin als „Engel der Geschichte“ eine Allegorie für geschichtliche Entwicklung ist. Inmitten der Barbarei und dem Elend steht sein Denkbild für eine Kritik des Fortschrittsideologie und der Frage nach einer Hoffnung auf eine andere, humane Gesellschaft.
Schließlich das dritte Bild: Ein Eisbär auf einer Scholle, er blickt zu Benjamin herüber.
Eine weitere Überlebende war die rechtzeitig in die USA emigrierte Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt (1906-1975).
Sie sollte Ausgangspunkt von „Wehret den Anfängen III“ sein:
Über ihr Portrait führt diese weitere Trilogie konkret zu Fragen nach Grundrechten, die allen Menschen gleichermaßen zukommen sollten.
Die trilogischen Mosaike „Kreuz des Südens“ und „Farben des Mittelmeeres“
(in Memoriam Alan Kurdi, 2012-2015) greifen dieses Thema für die Gegenwart auf.
Die kleineren Trilogien „Eine kleine Stadt“, „Die trauernde Sonnenblume“ sind weitere bildnerische Versuche, das Ungeheuerliche, das von Menschen verursachte Leid zu skandalieren.
